Fliegerdenkmal

Das Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe in der Rhön wurde 1923 errichtet und erinnert an die im Ersten Weltkrieg (1914–1918) gefallenen Feldpiloten.

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Die Lage

Das Fliegerdenkmal steht am Westhang der Wasserkuppe oberhalb von Abtsroda. Es wurde errichtet auf einem Vulkanschlot, früher Lerchenhügel, später „Loessl Steine“ genannt. Carl Oskar Ursinus hatte diesen Ort für eine jährliche Gedenkfeier bestimmt, da während des ersten Rhönwettbewerbs Eugen von Loessl am 9. August 1920 von hier zu seinem letzten Flug gestartet war. Am 14. August 1921 starb hier auch der Weltkriegspilot Wilhelm Leusch, der zweite Tote des Segelflugs, durch Flächenbruch aufgrund einer Fehlkonstruktion seines Segelflugzeuges Weltensegler.

Die Entstehungsgeschichte

Nach Ende des Ersten Weltkrieges waren verschiedene kameradschaftliche Vereinigungen entstanden, die sich später im Ring der Flieger e. V. vereinigten. Vermutlich 1922 entstand die Idee einer Deutschen Flieger-Gedenkstätte. Diese sollte ursprünglich im Harz errichtet und all jenen geweiht werden, „die im Frieden und im Kriege im Kampf um die Eroberung der Luft ihr Leben gewagt und eingesetzt, mit ihrem Tode ihr Streben besiegelt haben.“

Die Verbindung zur Rhön ergibt sich durch die Entwicklung des Segelflugs auf der Wasserkuppe, der Harz war hierzu weniger geeignet. Namhafte Weltkriegspiloten hatten beachtliche Erfolge bei den ersten Segelflugwettbewerben.

Reichswehr-Oberleutnant Ottfried Fuchs, der Geschäftsführer des Ring der Flieger e. V. und der Münchner Architekt Johannes Moßner, ebenfalls ein Weltkriegspilot, führten die Verhandlungen wegen des Bauauftrages.

Die Adlerskulptur

Die Skulptur schuf der Bildhauer und Tierplastiker Prof. August Gaul. Zwei weitere Exemplare befinden sich in der Hamburger Kunsthalle und der Nationalgalerie Berlin. Gegossen wurde sie in der Kunstgießerei Hermann Noack in Berlin.

Das Exemplar des Fliegerdenkmals war ursprünglich für die Toreinfahrt der Villa von Albert Ballin, des Generaldirektors der HAPAG, in Hamburg bestimmt (heute: UNESCO Institut für Pädagogik). Nach Ballins Tod am 11. November 1918 vermachte seine Witwe 1923 die Plastik und einen erheblichen Geldbetrag an Reichswehr-Oberleutnant Ottfried Fuchs, den Geschäftsführer des Rings der Flieger e. V. Sie war davon überzeugt, im Namen ihres verstorbenen Mannes und getreu seiner vaterländischen Gesinnung zu handeln.

Im Bestandskatalog der Skulpturenabteilung der Hamburger Kunsthalle (Die Dritte Dimension von Georg Syamken, Hamburg 1988) wird die Adlerskulptur in zeitgeistlicher Weise wie folgt beschrieben:

„Das Urbild aller nationalsozialistischen Adler mit allen Paraphernalia des Raubtiers, seiner wehrhaften Schönheit und seiner diskret unter seinem wohlig gespannten Gefieder verborgenen Energie. Angesichts des Klimas vor dem Ersten Weltkrieg ein nicht mehr unschuldiges Symbol monumental zur Schau gestellten Machtbewußtseins und dennoch ein Werk, das wegen seiner Originalität Respekt abnötigt. Es ist – allein von seinem Format her – mehr als eine bildhauerische Skizze tierischen Seins und Verhaltens, aber es hütet sich, jede anthropomorphe Parallele über das naturalistische Maß hinaus zu strapazieren. Die Sinnbelastung ergibt sich aus der Heraldik: Die Nähe zum Wappentier des Deutschen Reiches ist in dieser Größe nicht mehr zu übersehen; das wartende Spähen zu sehr auf die geopolitische Einsamkeit des Reiches zu beziehen, die irrtümlicherweise noch als aussichtsreich galt ….“

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Adler wahrscheinlich Zielscheibe der Besatzungssoldaten. Bei einer Instandsetzung durch die Fuldaer Firma Pfeifer (1954) wurden 68 Durchschüsse geflickt.

Quelle: Wikipedia